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Zuhause in der Fremde von Daniel Knäble Während meinem dreimonatigen Praktikum in Kapstadt bin ich bei der New World Foundation in verschiedenen Programmen und Projekten involviert. Diese reichen von Nachmittagsprogrammen und Gruppenangeboten an Schulen über Sportaktivitäten auf der Straße bis hin zu unserem Life Skills und Youth Leadership Programm, das direkt bei der New World Foundation angeboten wird. Das Leben und Arbeiten im Township ermöglicht mir Erfahrungen und Eindrücke, die ich als gewöhnlicher Tourist wohl kaum sammeln könnte. Ich sehe es als Privileg, Land und Leute auf eine so einzigartige Art und Weise kennen zu lernen. Bei gemeinsamen Unternehmungen und Ausflügen, sei es am Strand, beim Grillen oder nur einer Tasse Kaffee, teilt man seine Hoffnungen, Sorgen und Träume und fühlt sich somit in besonderer Weise mit Süd-Afrika verbunden, das ich schon längst als mein vorübergehendes Zuhause anerkannt habe. Und je mehr Zeit ich hier mit den Einheimischen verbringe, desto bewusster wird mir deren Reichtum trotz oftmals erbärmlicher Verhältnisse. Viele Eltern wissen of nicht, wie sie ihre Kinder am nächsten Tag ernähren und ihr Schulgeld für das kommende Jahr bezahlen sollen. Und dennoch besitzen sie genau diese lebensfrohe, freundliche and positive Art, die ich in unseren westlichen Industrienationen nur zu sehr vermisse. Während andauernden Stromausfällen und dreimonatigem Verzicht auf Waschmaschine, Fernseher und elektronische Zahnbürste sowie mangelnden Ressourcen bei der Arbeit habe ich gelernt, dass die reichsten Menschen diejenigen sind, die mit dem Wenigsten auskommen können. Die Leute hier in den Townships sprechen eine Sprache, die von jeder Kultur, Nation, Religion und "Rasse" verstanden wird. Sie wird von Kindern und Erwachsenen, von Gesunden und Kranken und von Tauben und Stummen gesprochen. Sie wird weder in Schule und Universität gelehrt, noch kann sie mit Geld gekauft werden. Sie verbindet die verschiedensten Menschen und konzentriert sich auf Gemeinsamkeiten anstatt Unterschiede. Sie symbolisiert eine Lebenseinstellung und Kommunikationsweise, die von keinen sprachlichen Barrieren und Missverständnissen eingeschränkt wird oder von Ort und Zeit abhängt. Egal wo man sich befindet - am Strand, auf der Straße oder in einem Supermarkt - man grüßt sich, lächelt sich an und wünscht sich gegenseitig einen schönen Tag. Ein freundliches Lächeln sagt mehr als tausend Worte. Und seit meiner Ankunft hier in Süd-Afrika weiß ich auch, was es wirklich bedeutet. Die Offenheit und Gastfreundschaft im Alltag spiegelt sich auch bei der Arbeit wieder. Sei es auf der Straße, in den Schulen oder bei der New Word Foundation - die Kinder und Jugendlichen empfangen uns mit offenen Armen und freuen sich über jedes zusätzliche Programm; auch wenn sich 150 Kinder mit zwei abgenutzten Fußbällen und alten Autoreifen auf einem "Sportplatz" (wohl eher als Müllhalde zu bezeichnen) sowie einigen Buntstiften, Dosen und Eierkartons begnügen müssen. Sowohl die Lehrer als ich wir als Sozial- und Jugendarbeiter sind bei dem Umfang an Programmen und der Anzahl der Teilnehmer oft überfordert, wobei auch unsere Flexibilität und Einfallsreichtum an Grenzen stößt. Aus diesem Grund haben wir Anfang Januar das Youth Leadership Programm ins Leben gerufen. Dieses soll Jugendlichen im Alter von 17 und 18 Jahren das Wissen und die Fähigkeiten vermitteln, um selbst als Freiwillige mitzuarbeiten und eigene Projekte zu organisieren und selbst zu leiten. Die 23 Teilnehmer kommen aus lokalen Highschools und somit aus dem unmittelbaren Umfeld. Ihnen soll durch das Programm die Möglichkeit gegeben werden, um ihren persönlichen Horizont zu erweitern, zusätzliche Berufserfahrung zu sammeln und einen positiven Beitrag für ihre Community zu leisten. Bestandteile des zwölfwöchigen Projekts, das jeweils Montag nachmittags stattfindet, sind unter anderem Workshops über das Selbstkonzept, Kommunikation und Konfliktmanagement. Die erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten sollen auf einem gemeinsamen Camp in die Praxis umgesetzt und weiter ergänzt werden. Zusätzliche Gruppenaufgaben, -spiele und -diskussionen sollen ihre Teamfähigkeit stärken sowie die Teilnehmer auf ihre freiwilligen Tätigkeiten in der Community vorbereiten. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen musste das Youth Camp leider von April auf Juni verlegt werden. Für die Jugendarbeiter und Teilnehmer des Youth Leadership Programmes hoffe ich, dass sich das Vorhaben auch nach meiner Rückreise nach Deutschland noch in die Tat umsetzen lässt und wünsche ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute. Vor allem die Kinder und Jugendlichen von Lavender Hill werde ich immer in guter Erinnerung behalten. Ihre Zufriedenheit und ihr Optimismus trotz erbärmlichen Verhältnissen hat mich zutiefst bewegt und gerührt. Ich wünschte nur, dass mehr Mitbürger der "Ersten Welt" diese Erfahrung machen könnten. Vielleicht würden sie dann einige ihrer westlichen Sicht- und Lebensweisen inklusive momentaner Vorgehensweisen bezüglich Entwicklungshilfe hinterfragen. Liebe Grüße aus der Regenbogen-Nation Euer Daniel |